Australische
Wissenschaftler wollen einen Test für eine schwer nachweisbare
Form des Dopings zur Serienreife bringen. Er soll Sportler überführen,
die illegal die Zahl ihrer roten Blutkörperchen mit Erythropoetin
(EPO) vermehren.
EPO wird auch vom
Körper selbst produziert. Ursprünglich wurde synthetisches EPO
als Medikament gegen Blutarmut entwickelt. Durch die Gabe des Botenstoffes
wird die körpereigene Produktion der Erythrozyten angeregt. Als Dopingmittel
ist künstliches EPO vor allem für Ausdauersportler interessant,
etwa Radfahrer und Langstreckenläufer. Denn mit der Anzahl der roten
Blutkörperchen nimmt auch die Leistungsfähigkeit zu, da der Körper
besser mit Sauerstoff versorgt wird. Die Anwendung des Medikaments ist
nicht ohne Risiken: Zu viele der roten Blutkörperchen können
zu Herzversagen führen. Bei 26 Spitzensportlern, die seit den achziger
Jahren unerwartet starben, vermuten Sportmediziner EPO-Missbrauch.
Bis jetzt war
es fast unmöglich, nachzuweisen, ob ein Athlet sich mit EPO gedopt
hatte. Der künstliche Wirkstoff ist vom körpereigenen Hormon
fast nicht zu unterscheiden und bleibt zudem nicht lange im Körper.
Die Wirkung dagegen hält lange an. Bis jetzt war der einzige Hinweis
auf den Missbrauch von EPO ein hoher Hämatokritwert, also ein hoher
Anteil an roten Blutkörperchen im Blut. Radrennfahrer mit einem Hämatokritwert
von über 50% dürfen bei großen Rennen deshalb nicht starten.
"Aber diese Maßnahme
hat den EPO-Missbrauch nicht verhindert, sie hat den Athleten nur eine
Höchstmarke gegeben", sagt Robin Parisotto vom Australian Institute
of Sport, der mit |
seinen
Kollegen den neuen Test entwickelt hat. Parisottos Test umgeht die Nachweis-Schwierigkeiten,
indem er die Blutwerte von fünf verschiedenen Substanzen kombiniert.
Darunter sind auch zwei Marker für neu hergestellte Blutzellen. Das
Verhältnis der Substanzen zueinander zeigt, ob der Sportler EPO genommen
hat oder nicht.
Parisotto und seine Kollegen
überpüften ihren Test an 27 australischen Sportlern - die nicht
an der Olympiade teilnehmen. Die Forscher konnten alle Probanden, die kurze
Zeit vorher EPO erhalten hatten von denen unterscheiden, die ohne das Medikament
trainiert hatten. In 189 Versuchen gab es nur ein falsch-positives Testergebnis.
Bei zwei Dritteln der Sportler konnten sie EPO-Gebrauch noch drei Wochen
später nachweisen.
"Der Test ist toll. Ich
war wirklich beeindruckt von den Daten", sagte Jim Stray-Gundersen von
der University of Sport and Physical Education in Oslo. Er will Parisotto
und seinen Kollegen helfen, die Studie mit norwegischen und chinesischen
Athleten zu wiederholen.
Am 1. August wollen die
Forscher ihre Ergebnisse dem internationalen olympischen Komitee präsentieren,
das über die Zulassung des Tests entscheidet. Das Organisationskomitee
in Sydney steht dem Test positiv gegenüber: "Wir wissen schon genau,
wie wir den Test durchführen könnten. Wir haben die Ausrüstung
und die Arbeitskräfte", erklärte Nikki Vance, im Komitee zuständig
für Dopingkontrollen.
Quelle: Steffi Hentzelt
und Haematologica Vol 85, Juni2000
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