Was
ist Osteoporose?
Das Knochengewebe besteht
aus organischen und anorganischem Anteilen und ist gekennzeichnet durch
ständigen An- und Abbau. Der Knochen ist also ein höchst lebendiges
Gewebe, das zeitlebens koordinierten Umbauprozessen, also An- und Abbau
unterworfen ist. Überwiegen insgesamt die Anbauprozesse, kommt es
zu einer Zunahme, überwiegen die Abbauvorgänge, kommt es zu einer
Abnahme der Knochenmasse. Osteoporose heißt zu deutsch löchriger
Knochen - darunter versteht man den außerordentlichen Verlust an
Knochenmasse und -gewebe, die Knochenbälkchen werden dünner ,
so daß das Skelettsystem mechanisch minderwertig und dadurch weniger
widerstandsfähig wird. Osteoporose führt daher zu einer verstärkten
Knochen- brüchigkeit.
In der Jugend und im frühen
Erwach- senenalter nimmt die Knochenmasse zu, da die Anbauvorgänge
überwiegen.
Die maximale Knochenmasse
(die sogenannte "peak bone mass") wird mit 30-35 Lebensjahr erreicht.
Danach überwiegen die Abbauvorgänge und die Knochenmasse nimmt
mit dem Alter um ca 1% pro Jahr wieder langsam ab.
Unterschreitet die Knochendichte
infolge der Abbauvorgänge mit der Zeit ein gewisses Maß (Frakturschwelle)
kommt es zur Osteoporose und die Bruchrate bei Stürzen und auch Bagatelltraumen
steigt an.
Je mehr Knochenmasse "peak
bone mass" während der Kindheit, Jugend aufgebaut wird, desto später
wird während des Knochenabbaus im weiteren Leben die erwähnte
kritische Bruchgrenze überschritten werden. Zum Aufbau einer möglichst
großen Knochenmasse wird eine ausgewogene calciumreiche Ernährung
und körperliche Aktivität unter gleichzeitiger Meidung schädigender
Nahrungsmittel (besonders Softdrinks), Alkohol und Nikotin empfohlen.
Die Erreichung dieser maximalen
Knochenmasse ist aber vor allem durch Erbfaktoren bedingt, d.h. bei korrekter
Ernährung
und körperlicher Aktivität, nicht direkt beeinflußbar.
Also ist besondere Vorsicht im Alter bei Menschen geboten, in deren direkter
Verwandtschaft Menschen an Osteoporose leiden.
Besonders ab dem beginnenden
Wechsel der Frau - zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr - beginnt von Natur
aus ein rascher Knochenmasseverlust. Durch den Abfall des weiblichen Sexualhormons,
des Östrogens, aber auch des Gestagens, kommt es bei sehr vielen Frauen
zu einer enormen Beschleunigung des Knochenabbaus mit mehr als 3.5 bis
8% Knochenmasseverlust pro Jahr, sodaß ca. 95 Prozent der Osteoporose
der Frauen ab der letzten spontanen Gebärmutterblutung, also im sog.
Wechsel auftritt.
Der Schmerz steht fast immer
am Anfang einer beginnend fortschreitenden Osteoporose. Wirbelkörper
brechen ein, der Rücken wird krumm, man wird kleiner, der Bauch wölbt
sich vor und im schlimmsten Fall genügt eine Tritt über die Gehsteigkante
und der Oberschenkelhals bricht. Beginn eines Leidens mit Krankenhausaufenthalt,
Operation, Bettlägrigkeit, Bewegungsein-schränkung und sozialer
Isolation bis hin zum Tod.
Später, im höheren
Alter, meist ab 70, kommt der Bewegungs- (richtiger wäre: Belastungs!)mangel
dazu. Die Folge ist, daß 8-10 mal mehr Frauen als Männer an
Osteoporose leiden.
An der Osteoporose sterben
mehr Frauen, als an allen Krebsarten der Frau, einschließlich des
Brustkrebses. Niemand zweifelt an der Sinnhaftigkeit der Krebsvorsorgeuntersuchungen,
dasselbe sollte auch für die Früherkennung der Osteoporose mit
wesentlich höherer Sterblichkeit akzeptieren. |
Die
Osteoporose entwickelt sich immer mehr zur Volkskrankheit. Aufgrund
der steigenden Lebenserwartung und des dadurch anwachsenden Anteils der
über 60 Jährigen in der Bevölkerung, rückt der Knochenschwund
zunehmend in den Mittelpunkt wissenschaftlichen und volksgesundheitlichen
Interesses.
Unter den über 70jährigen
Frauen leidet jede zweite an einem übermäßigen Knochenabbau.
Oberschenkelhalsbrüche
haben eine Sterblichkeitsrate von 15 Prozent und 50 Prozent der Überlebenden
benötigen eine ständige häusliche Pflege.
Besonders gefährdet
sind weiße Frauen der westlichen Welt, welche keine Kinder bekommen
haben. Geschlechts- unterschiede sind durch späteres Einsetzen des
Knochenschwundes und der geringeren Lebenserwartung bedingt. Durch Vorsorge,
rechtzeitige Knochen- dichtemessung und entsprechende Therapie bei Verdacht
auf Osteoporose kann die Frakturrate um annähernd die Hälfte
gesenkt werden.
Prävention
Aus obigen Gründen
ist es entscheidend, die Osteoporose durch Maßnahmen der Vorsorgemedizin
zu verhindern.
Dies gelingt durch eine
sorgfältig durchgeführte Anamnese, um interne Usachen einer Osteoporose
zu erkennen und insbesondere durch eine rechtzeitig durchgeführte
Bestimmung der Knochenmasse zur Zeit der Menopause.
Die Bestimmung der Knochenmasse,
die
sog. "Knochendichtemessung" (Densitometrie), erfolgt durch röntgenologische
absolut schmerzfreie Untersuchungen der am meisten betroffenen Regionen,
wie Lenden- wirbelsäule und Oberschenkelhals.
Wesentlich ist aber in bestimmten
Fällen die Kontrolle der zukünftigen Knochenmasse-Verlustrate
pro Jahr durch wiederholte Messungen.
Mit einer rechtzeitig verabreichten
Hormonersatztherapie kann die hormonbedingte Osteoporose der Frau gänzlich
verhindert werden, die Knochenmasse sogar wieder erhöht und die osteoporosebedingte
Sterblichkeit im Alter zwischen 65 und 74 Jahren um 60 Prozent reduziert
werden.
Äußerst wichtig
ist eine
Bewegungstherapie:
Darunter fallen Übungen
mit Dehnung, Zug- und Druckbelastung des Knochens und Kräftigung der
Rückenmuskulatur, weiters Schulungen koordinativer Fähigkeiten
zur Gewinnung körperlicher Sicherheit mit dem Ziel einer Sturzvermeidung.
Osteoporosevorsorge ist auch
Ernährungssache.
Die Ernährung sollte
calciumreiche Nahrungsmittel, wie Milchprodukte jeder Art, enthalten.
Die Angst mancher Menschen
durch calciumreiche Ernährung vorzeitig zu verkalken ist absolut unbegründet.
Verkalkungen der Gefäße entstehen durch Fett- bzw. Cholesterinanlagerungen
an Gefäßwände, sodaß dadurch dieser Teil der Gefäßwand
so geschädigt wird, daß Kalk eingelagert wird. Dies würde
auch bei niedrigem Calcium im Blut passieren.
Die wirklich sinnvollste
Maßnahme ist die rechtzeitige Erkennung der Osteoporose-Gefahr jeder
einzelnen Frau mit Risikofaktoren, um die Osteoporose gar nicht entstehen
zu lassen.
Die beste Behandlung
ist die Vorsorge.
Vorsorgemaßnahmen,
aber auch Therapie werden bei zunehmender Lebenserwartung der Bevölkerung
in Zukunft einen eher generellen als bisher individuellen Charakter einnehmen
müssen.
Bereits entstandene Schäden
können nicht mehr rückgängig gemacht werden.
<
nach oben |