Die
Kämpfer scheinen fast am Boden zu liegen, so tief bewegen sich ihre
Körper im Rhythmus der Musik. Inmitten des Kreises, der so genannten
Roda, tanzen sie in weißen weiten Hosen ihr „Spiel“. Sie deuten Tritte
und Schläge an und weichen mit geschmeidigen Bewegungen aus.
Capoeira ist ein Kampfspiel,
ein Ausdruck von Lebensfreude und Spaß, der von Temperament und Rhythmus
gekennzeichnet ist. Seit einigen Jahren findet die aus Brasilien stammende
Kampfsportart auch in Deutschland und Österreich immer mehr Anhänger.
Allein in Berlin gibt es derzeit rund 15 Schulen, in denen unterschiedliche
Formen der Capoeira unterrichtet werden. Die Kämpfer nennen sich selbst
Capoeiristas. Sie zeigen ihr Können auf Festen wie dem alljährlich
in Berlin stattfindenden „Karneval der Kulturen“.
Mentale Ausdauer
Gelenkigkeit, Rhythmusgefühl,
Spaß an Musik und Tanz und Kraft zeichnen die Capoeiristas aus. Mentale
Ausdauer ist die wichtigste Eigenschaft, die man bei diesem Sport haben
muss. Es sieht alles kinderleicht aus – was es ja auch soll – aber in Wirklichkeit
erfordert das Spiel jede Menge Koordinationsfähigkeit. Bereits für
den einfach aussehenden Grundschritt der Capoeira, die „ginga“, müsse
man mehrere Wochen hart üben.
Zwei Kampfarten
Im Capoeira gibt es zwei
Kampfarten. Bei der langsam gespielten „Angola“ mit ihren traditionellen
Elementen ist der Kampf in der tänzerischen Bewegung kaum sichtbar.
Bei der „Capoeira-Regional“ dagegen steht der Kampf im Vordergrund |
und
die „Spielgeschwindigkeit“ ist wesentlich schneller. Capoeira wird traditionell
in der Roda „gespielt“. Die rund 20 Capoeiristas der Abada-Schule stellen
sich am Ende jeder Trainingseinheit im Kreis auf und Lehrer Schütz
stimmt – begleitet von Instrumenten wie dem Berimbau (Musikbogen), der
Conga (Rassel) und dem Tambourin – traditionelle brasilianische Lieder
an. Die Musik erzeugt eine Art Energie, die geistig freimacht. In der Roda
entsteht eine eigene kleine Welt.
Von Sklaven entwickelt
Jeder Kämpfer verbeugt
sich vor Betreten der Roda vor dem Instrument des Meisters – dem Berimbau.
Dann tritt das erste Kämpferpaar in die Mitte und beginnt in geschmeidigen
Bewegungen miteinander zu „spielen“. Die anderen stimmen in den Wechselgesang
ihres Lehrers ein. Immer wieder suchen sich die Capoeiristas neue „Spielpartner“
aus und deuten Einladungen zum Zweikampf an. Es geht nicht darum, den anderen
auf kürzestem Wege zur Strecke zu bringen. Der Spieler kann seinen
Gegner auch besiegen, indem er ihn ins Leere laufen
lässt. Das musikalische
Element ist dabei sehr wichtig. In der Roda werden alte und neue Geschichten
aus dem Alltag besungen. Die Sklaven im Nordosten Brasiliens entwickelten
vor 300 Jahren den als Tanz getarnten Kampf. Sie wollten sich damit vor
den Repressalien ihrer Gutsherren schützen und sich körperlich
fit halten.
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